im Kathmandutal und Pokhara Reisebericht 11.10.03 – 01.11.03 © Klaus Töpfer |
1. und 2. Tag – 11./12.10.2003
Unsere Abreise verlief recht zügig und sogar der ICE, der uns zum Frankfurter Flughafen brachte war, oh Wunder, pünktlich. Gut dass wir uns ein Taxi nach Essen nahmen, denn im Nahverkehr der DB funktionierte mal wieder nichts, wie wir von Monique, einer unserer Mitreisenden erfuhren, die in Düsseldorf zustieg. Am „check in“-Schalter der GULF AIR trafen wir auch, mit Ausnahme von Mechthild, unsere weiteren Mitreisenden. Mit 3 Bordkarten in der Hand (Frankfurt – Bahrain – Abu Dhabi – Kathmandu) starteten wir zur ersten 6-stündigen Flugetappe nach Bahrain. Die Zeit verging auf bequemen Sitzen und mit lobenswertem Service wahrlich „wie im Fluge“. Wünschte ich mir kurze Zeit nach dem Mittagsmenü Kaffee und Kuchen, so wurde dieser tatsächlich ganz automatisch serviert. Der Kaffee war etwas dünn aber der Kuchen dafür fast so gut wie Carinas (Freundin unseres Sohnes Tim) Mohnkuchen. Von Bahrain „hüpften“ wir in einer knappen Stunde nach Abu Dhabi hinüber. Unsere vermisste Mechthild ist inzwischen ebenfalls mit Ihrer nepalesischen Mitreisenden, Nirmala, zu uns gestoßen. Wir kennen Nirmala bereits von den jährlich in Bad Godesberg stattfindenden Nepaltagen. Ja, und da stehen wir alle recht hilflos in der großen Gewölbehalle des Transferbereiches in Abu Dhabi. Wie geht es nun weiter? Wo ist der Schalter der GULF, damit wir unsere Transitvisum erhalten und zum Hotel kommen? Ganz einfach, geradeaus und rechts herum und hinein in das dichte Gedrängel vor dem Schalter. Plötzlich werde ich Reiseleiter mit 13 deutschen Pässen und Tickets in der Hand. Endlich ist es geschafft! Bei der einzigen Bedienung, die zwischendurch auch noch per Handy mit Ihrer Bekannten quasselt, die Tickets los zu werden. Mir bleibt ein scheckkartengroßer Zettel, um morgen alle Tickets wieder zu bekommen und ein Papier für den Transfer zum Hotel. „Bitte folgen Sie mir“ und schon lotst uns ein netter Mensch in das Flughafenhotel. Das war wohl nichts. Nach weiteren Fragen und Suchen finden wir schließlich den richtigen Weg und stranden gegen Mitternacht im „Officer Club“. In dieser modernen, sauberen aber kalt wirkenden Kaserne sind wir nun gefangen, denn neben den Tickets sind wir nun auch noch unsere Reisepässe los.
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Ein Missverständnis ist aufgeklärt. Govinda ist nicht nach Amerika ausgewandert und derzeitig nur auf Urlaub in Nepal. Richtig ist, dass er nur im Sommer, außerhalb der Trekking-Saison, nach Chicago geht, um das nötige Kleingeld zur Finanzierung der neuen Wohnung in Bodnath und für die Privatschule für seine Kinder zu verdienen. Zum Frühstück erwartet uns ein reichhaltiges Buffett. Unsere Guides treffen ein. Es dauert einige Zeit, bis die mitgereisten „Trekker“ über die bevorstehende Tour informiert und deren persönliche Ausrüstung auf Vollständigkeit überprüft worden ist. So starten wir Kulturreisenden erst gegen 11 Uhr zur ersten Sightseeing-Tour nach Swyambunath.
Es ist bereits später Abend, als wir uns auf den Rückweg machen müssen. In der Dunkelheit stolpere ich über einen mitten auf dem Wege schlafenden Hund. Ihm hat mein unbeabsichtigter Tritt wohl sehr weh getan. Aua, der arme Hund. Mit der Motorrikscha lassen wir uns schließlich nach Thamel zum Abendessen fahren. Wie im vergangenem Jahr ist nicht all zu viel Betrieb und wieder hat sich in einem Jahr einiges geändert. Einige Geschäfte sind geschlossen oder neuen gewichen. Bereits um 21 Uhr ist Ladenschluss. | ||||||
4. Tag – 14.10.2003 Der Start zum Ausflug in die 3. Königstadt nach Bhagtapur verzögert sich um gut eine Stunde, nachdem der „deutsche“ Guide, den Govinda vorsorglich für Mechthild organisiert hatte, nicht eintrifft. Auf diesen werden wir verzichten und brechen durch den dichten „stop and go“-Verkehr auf. Das Freilichtmuseum Bhagtapur zieht uns wie in den Jahren zuvor in seinen Bann: Königsplatz, goldenes Tor und unzähligen Tempeln und Pagoden. Auch hier sind nur vereinzelt Touristen unterwegs und einige Geschäfte geschlossen. So auch unser beliebtes Aussichtsrestaurant am Dattatraya-Tempel. Zum Lunch weichen wir zum Taumahdi-Platz mit der größten 5-stöckigen Nyatapola-Pagode in Nepal und dem Bhairava-Tempel aus. Ein Besuch der Holzschnitzerei ist obligatorisch und eine große Ghanesh-Figur wäre beinahe mein Eigenturm geworden. Wie immer muss ich bei „schwierigen“ Entscheidungen erst einmal darüber schlafen. Wahrscheinlich steht Ghanesh noch immer an gleicher Stelle, da ich mich später für etwas anderes entscheide. Der Bummel führt uns weiter zum Töpfermarkt. Da die Reisernte im vollem Gange ist, sind zwischen den fleißigen Handwerkern Frauen dabei, Reis zu trocknen und Spreu vom Korn mit einfachsten Mitteln, dem Wind, zu trennen. So türmen sich zwischen frisch gedrehten Töpfen und fertiger Ware riesige Hafen Reis auf. Obwohl es auf dem ersten Blick recht chaotisch aussieht, hat doch alles seine Ordnung. Nördlich von Bhagtapur liegt der Tempelbezirk Changu Nayaran. Auf der Fahrt durch die fruchtbare Ebene können wir die Bauern bei der Ernte beobachten. Überall auf den Feldern wird gemäht und gedroschen, alles per Hand. Der Weg hinauf zum Tempel führt durch das malerische Dörfchen Changu hinauf. Auch hier sind alle Familienmitglieder mit der Ernte beschäftigt. Der gedroschene Reis wird in der Sonne getrocknet. Auf vielfältiger Art wird der Spreu entfernt, z.B. indem man diesen vom Dach herunter rieseln lässt und mit großen Basttellern den nötigen Luftzug erzeugt oder man nutzt den natürlichen Durchzug, alle Türen auf.
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Am späten Nachmittag bringt mich Govinda zum Hotel zurück, wo ich von meinen 3 Damen bereits sehnsüchtig erwartet werde. Da wir alle keine Lust verspüren, heute noch zu laufen, entscheiden wir uns hier zu speisen. So freue ich mich nach einiger Zeit sehr über das reichhaltige Menü, als mein Reisgericht noch mit einer weiteren duftenden Köstlichkeit umlegt wird. Nachdem Mechthild und Monique auch Ihre Speisen erhalten haben, schwant uns Arges. Dorlis sitzt immer noch vor Ihrem leeren Teller. Hat man die Arme vergessen? Nein, ich habe auch Ihr Gericht auf dem Teller. Ist das nicht lustig? In unserer Runde auf jeden Fall. So teilen Dorlis und ich dann redlich die Speisen. Es war ja auch so geplant. | ||||||
6. Tag – 16.10.2003 Um 5 Uhr früh klingelt das Telefon, der Weckruf. Unser Bus nach Chitwan fährt um 7 Uhr ab. Govinda und Govinda 2 werden uns begleiten. Dabei sind ebenfalls Govindas Töchter Shila und Shachi sowie seine Schwiegermutter, die in Narayangath einen Bruder besuchen wollen. Unsere Plätze sind vorne im Bus reserviert und nachdem das Gepäck auf dem Dach verstaut ist, geht die Reise pünktlich los. Gegen Mittag werden wir in Chitwan sein, wenn nicht unvorhergesehene Verkehrsbehinderungen eintreten.
Es geht wieder vorwärts. In Fischen verlässt eine Gruppe den Bus, die von ihrem Raftingteam bereits sehnsüchtig erwartet werden. Mugling wird noch zügig durchquert. Doch als wir auf die Reste der noch vorhandenen Straße nach Chitwan abbiegen, erwarten uns weitere nicht zählbare Staus. Der diesjährige Monsun hat die im vergangenem Jahr noch sehr gut befahrbare Straße in eine Schotterpiste mit unzähligen tiefen Schlaglöchern verwandelt. Stellenweise haben die Fluten die Straße in den Trisuli gespült. Viele Stellen sind nur einspurig passierbar. Abgesehen von Stop und Go stehen immer wieder alle Räder still - nichts scheint mehr zu gehen. Doch irgendwie schafft man es in Nepal, Bewegung in die sich teilweise gegenseitig blockierenden Fahrzeugschlangen zu bringen. An einem sehr tiefen Wasserloch, durch das selbst schwere LKWs Mühe haben durchzukommen, entdecken wir das einzige schwere Gerät, eine Planierraupe. Verzweifelt versucht man das Loch zu füllen. Doch die durchdrehenden Räder der LKWs schleudern den gerade hinein geschobenen Schotter wieder hinaus. Müde und durchgeschaukelt treffen wir bei Dunkelheit in Sauhara ein. Das „Park Side“-Hotel wird in den nächsten Tagen unsere Unterkunft sein. | ||||||
Es ist heiß geworden und so freuen wir uns nach dem Bummel durch die Felder und der Besichtigung des Tharu-Dorfes uns am Ufer des Rapti Madi erst einmal entspannen zu können. Zur Mittagszeit führen die Elefantenreiter, Phanit genannt, Ihre Tiere zum Baden in den Fluss. Nach anfänglichem Zögern wage ich mich in die Flut und schon bald sitze ich mit Hilfe des Phanit auf Jumbos Rücken. Ein herrlicher Spaß mit einer erfrischenden Dusche aus dem Rüssel übergossen zu werden oder in die Strömung zu plumpsen. Brav legt sich Jumbo wieder auf die Seite oder hockt sich nieder, um einen erneuten Aufstieg zu erleichtern. Es stört ihn auch nicht, sich dabei an seinen Ohren hoch zu ziehen. Erst ein gehöriger Schluck Wasser beim Sturz in die Strömung, veranlasst mich hustend das Badevergnügen abzubrechen. Hoffentlich verträgt es mein Magen, denn das Wasser sieht nicht gerade appetitlich aus. Nach der Siesta auf der Terrasse des neu erbauten Küchen- und Restauranthauses direkt neben unserem Hotel starten wir zur Safari zu den sogenannten 20.000 Seen. Unser Fahrzeug, ein nicht mehr ganz junger Suzuki, stottert auf schmalem Wege durch den Dschungel. Nachdem bei der Abfahrt der Tank leer als auch Benzinpumpe und/oder Anlasser nicht einwandfrei zu funktionieren scheinen, heißt es öfters „Anschieben“, bevor wir die Seen erreichen. Zu dieser Jahreszeit sind diese jedoch unter hohem Gras verborgen, so dass sich unsere Beobachtungen auf die vielfältige Vogelwelt mit schwarzen Störchen und Adlern beschränkten. | ||||||
Die Sonne hat noch nicht die über dem Rapti River liegenden Nebelbänke durchbrochen, als wir zur Kanufahrt mit anschließender Wanderung aufbrechen. Am Ufer begrüßt uns ein ausgewachsenes Nashorn. Bitte beiseite treten! Nashörner haben Vorfahrt! Gemütlich trottet der 2-Tonner vorüber. Im leicht schwankendem „Einbaum“ lassen wir uns in der morgendlichen Stille flussabwärts treiben. Nur das Rauschen des Flusses sowie hin und wieder das Platschen der Paddel ist zu vernehmen. Noch immer liegen Nebelschwaden über dem Fluss. In der Sonne silbern glitzernd, entdecken wir ein etwa 2 Meter langes Krokodil am Ufer. Vorsichtig steuern die Kanuführer das Boot nun gegen die Strömung auf das anscheinend noch schlafende Tier zu. Gerade in der richtigen Entfernung, um ein Foto zu schießen ist es flutsch weg in den Fluten untergetaucht.
Ehe wir bei Kerzenschein das ausgiebige nepalesische Abendessen vor „Muttis Hütte“, die direkt hinter dem Hotel liegt, genießen können, werden wir zur Folklore eingeladen. Die einheimischen Tharu begeistern mit ihrem artistischen Stocktanz. | ||||||
Bereits gestern erfuhren wir, dass heute in ganz Chitwan gestreikt wird. In solch einem Fall ruht alles. Die Geschäfte sind geschlossen und es besteht auch keinerlei Möglichkeit Chitwan zu verlassen. So genießen wir diesen zusätzlichen Tag am „Elefanten-Beach“. Ich wage mich noch einmal ins Wasser zu den Elefanten, da es sicher ist, dass die gestern beobachteten Krokodile hier nicht auftauchen werden. Ein Rundgang durch das Dorf, wo wir die Einheimischen bei der in ganz Nepal stattfindenden Reisernte beobachten, schließt diesen Tag ab. Das Wetter ist heute so klar, dass uns bis zum Sonnenuntergang ein herrlichen Blick auf das etwa 100 km entfernte, nun rötlich leuchtende Massiv des Himalaya mit dem Manaslu gegönnt ist. Wieder begeben wir uns zur Hütte von „Mutti“, um noch einmal ihre nepalesischen Kochkünste zu probieren. | ||||||
Nun geht es zügig voran. Bis Pokhara sind es aber immer noch etwa 180 km. Unsere letztjährige Reise nach Chitwan spult sich nun wie ein rückwärts laufender Film ab. Unendlich lang sind die Kehren in den steil aufragenden Bergen. Zum Greifen nahe liegt auf der gegenüber liegenden Seite eines jeden Tales die weitere Fahrstrecke und doch dauert es schier unendlich bis das Talende erreicht ist und wir auf die Gegenseite einschwenken. Kurve für Kurve nähern wir uns Pokhara, dessen nächtliches Licht uns zu später Stunde tief unten im Tal entgegen flimmert. Endlich liegt der letzte Kontrollposten hinter uns. Wir schwenken zum Hotel „Lake Side“ am Phewa-See ein und werden dort mit nepalischer Folklore begrüßt. Hier erfahren wir, dass heute noch niemand aus Chitwan eingetroffen ist. Trotz aller Anstrengungen und steifen Gliedern hat sich der Umweg gelohnt. | ||||||
11. Tag – 21.10.2003 Im morgendlichem Sonnenschein begrüßen uns die Gipfel des Annapurna. Heute ist Ruhetag, einmal einen ganzen Tag nichts tun. Die Promenade entlang des Phewa-See genießen. Bummeln und in einen der vielen Gartenrestaurants Kaffe trinken und schließlich eine Bootsfahrt zur Insel mit dem Varaha-Tempel unternehmen.
Früh aus den Federn raus, um den Sonnenaufgang über dem Annapurna in Sarangkot erleben zu können. Pünktlich um kurz vor 6 Uhr stehen wir auf dem Aussichtspunkt in 1500 m Höhe. Noch ist es stockfinster, sternenklar und recht kalt . Govinda versorgt uns mit heißem Tee. Der Himmel im Osten färbt sich rot. Warten, warten auf den Augenblick. Wann geht die Sonne auf? Urplötzlich erhaschen die ersten Sonnenstrahlen die Spitzen der ewig vereisten Gipfel, so als wenn die Gipfel nach und nach entzündet werden. Die Massive selbst sind nur als dunkle Silhouette erkennbar. Dann geht es rasend schnell und das gewaltige Bergmassiv ist in gleißendes Licht getaucht. Dieses Naturschauspiel lässt sich kaum auf einem Foto wiedergeben. Man muss es persönlich erlebt haben!
Am Abend hütet Dorlis, gut versorgt mit Medizin, vorsorglich immer noch das Bett. Während Mechthild und Monique sich auf den Weg zum Dinner machen, bleiben Govinda und ich zurück im Hotel und genießen einmal ganz allein die nepalesische Folklore-Vorstellung. | ||||||
Mit der „Cosmic Air“ fliegen wir in 30 Minuten zurück nach Kathmandu. Hier holt uns Prasanta ab. Der erste Tag des Tihar-Festes ist den Krähen gewidmet. Es beginnt mit Reisopfern für den Gott des Todes, Yama, der die Krähen als seine Todesboten schickt. Die Menschen beginnen damit, die Häuser mit Blumen-Girlanden und Lichterketten zu schmücken. Es kommt ähnlich wie bei uns in der Adventszeit Vorfreude zum bevorstehendem Fest auf. In der Zwischenzeit sind weitere Kunden eingetroffen. So Uta und Gerhard, die Govinda und ich am Abend besuchen. Dort treffen wir auch Agnes und Thomas, die wohlbehalten von ihrer Expedition zum Chulu Far West zurück gekehrt sind. In unserem Hotel können wir dann auch noch die Gruppe „Janoscheck“ willkommen heißen. Bernhard ist wie ich ebenfalls mit drei Frauen unterwegs. Viel Spaß beim morgen beginnenden Trekking. Es wir sicherlich nicht langweilig. | ||||||
14. Tag – 24.10.2003 Heute, am 2. Tag des Festivals wird den Hunden mit Girlanden und Tikar gehuldigt. Sie sind diejenigen, die die Seelen durch den Fluss des Todes begleiten. So begeben wir uns nach Pashupatinath am Ufer des Bagmati. An diesem heiligen Fluss finden die Verbrennungen der Verstorbenen statt. Direkt oberhalb liegt der bedeutendste hinduistische Tempel, der Shiva, dem Zerstörer und Erneuerer gewidmet ist. Seine fürchterlichste Erscheinungsform ist die des Bhairawa. Als Hirte von Mensch und Tier zeigt er sich in Gestalt von Pashupati mit dem Dreizack. Nach Zahlung des mittlerweile auch hier erhobenen Eintritts besichtigen wir die weitläufige Anlage. Wir erfreuen uns an den herum tollenden Tempelaffen, treffen auf heilige meditierende Sadhus (indische Wandermönche) und nehmen zufälligerweise an der Bestattungszeremonie eines Offiziers teil. Der Versuch mit dem lokalen Bus nach Patan zu fahren scheitert, da die Busse überfüllt sind. So organisiert Prasanta zwei Taxen, da wir heute insgesamt 7 Personen sind. Patan, im Süden Kathmandus gelegen, beherbergt eine der drei Königsstädte. Ziel ist zunächst der Durbarplatz, erbaut von den Malla-Königen in der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, um hier mit herrlichen Blick auf die Tempel- und Palastanlagen eine kleine Pause einzulegen. Da wir Patan schon öfters besichtigt haben, bummeln wir einfach drauf los, um Neues zu entdecken. Auf den lokalen Märkten herrscht lebhaftes Treiben. Einkäufe für das sich immer festlicher wirkende Tihar werden getätigt. So finden wir den von hohen Häusern umgebenen steinernen, im indischen Stil erbauten Maghabouddha-Tempel - den Tempel der 1000 Buddhas. Im Hof wird ein großes, farbenprächtiges Mandala erstellt. Eine mühselige Feinarbeit, mit den verschiedenen Farbpulvern ein magisches Diagramm auf den Boden zu streuen. Irgendwann befinden wir uns in der Handwerkerstraße, wo ich nun ein holzgeschnitztes buntes Relief mit meinem Freund Ghanesh, dem Sohn von Shiva und Pavati, finde. Die Beine werden müde und auf dem Heimweg vertrauen wir uns der Motorrikscha an. | ||||||
Früh am Morgen bringt uns der lokale Bus noch einmal nach Pashupatinath, um dem Tag der Kühe zu erleben. Hindus segnen ihre heiligen Kühe und schmücken diese mit Girlanden und Tikar. Der Weg von hier zur Stupa nach Bodnath führt gemütlich über grüne Wiesen, wo neben den dort verweilenden Nepali die Affen herum toben. In den lokalen Straßen erlebt man die Feierlichkeiten hautnah. Der Kopf einer jeden Kuh ist bunt bemalt und um den Hals tragen sie Girlanden aus gelben Tagetes. Unzählige brennende Lichter empfangen uns dann um die Stupa von Bodnath herum, dem größten buddhistischen Zentrum. Während die Buddhisten ihre Gebetmühlen drehend die Stupa umkreisen, beginnen die hier lebenden Hindus mit den Vorbereitungen. Die Glücksgöttin Lakshmi muss heute Abend würdig empfangen werden. Vor den Häusern werden kleine Mandalas gemahlt und der Weg ins Haus durch eine Spur mit Kerzen gekennzeichnet, damit die Lakshmi in der Dunkelheit den richtigen Weg findet. So treffe ich am späten Nachmittag im Büro ein, um mit Govinda und Prasanta Lakshmi, den Weg zu uns zu weisen. Nach einer besinnlichen Opfergabe vor dem Bürotempel zeichnen wir ihr von dort den Weg bis vor die Haustür. Damit der Teppichboden im Büro nicht mit Farbe verschmutzt wird, wird dieser mit Zeitungspapier abgedeckt. Während Govinda und Prasanta den Weg malen und segnen, übernehme ich die Aufgabe, die Kerzen aufzustellen und anzuzünden. Es ist bereits dunkel, als meine „Söhne“ nach Hause zu Ihren Familien eilen. Damen erwarten mich bereits im Hotel. Gemeinsam schlendern wir nun in Richtung Thamel. Vor fast jeder Haustür befindet sich ein kleines auf dem Boden gemaltes Mandala in den vielfältigsten Formen in dessen Mitte eine Kerze flackert. Vor dort führt der für Lakshmi gezeichnete Weg durch die Haustür zu deren beiden Seiten brennende Lichter den Weg erhellen. Wohnen in einem Haus mehrere Familien, so befindet sich im Innenhof bzw. im Flur ein weiteres Mandela als Knotenpunkt. Von dort verzweigen die Spuren zu den einzelnen Wohnungen. Wir bestaunen die Kreativität vom einfachen braunem runden Flecken bis hin zum perfekt bunt ausgemalten Sternfiguren. Auch der gemalte Pfad ins Haus ist oftmals reichlich, z.B. mit Fußabdrücken verziert. | ||||||
Frohes Neues Jahr 1124. Gemeinsam mit den Newars, den Ureinwohnern des Kathmandutals feiern wir in Kirtipur, einem kleinen Städtchen im Südwesten von Kathmandu gelegen. In einer bunten Prozession mit Musik und Tanz ziehen die Bewohner durch die Straßen, der wir uns prompt anschließen. Mandalas, Blumen und Girlanden schmücken die größeren Plätze. Hier, abseits des Tourismus, ist die Tradition noch gewahrt. Zum am Wegesrand gereichten Speisen und Getränken sind wir herzlichst eingeladen.
Wieder zurück in Thamel befinden wir uns im Trubel der hier feiernden Menge. Autokonvois mit singenden und musizierenden jungen Leuten, begleitet von tanzenden Newars zwängen sich durch die engen Gassen. | ||||||
Am 5. Tag es Tihar-Festes treffen sich Brüder und Schwestern, um 7-farbige Tikar auf die Stirn des jeweils anderen zu malen und sich gegenseitig zu beschenken. Zu diesem zu Hause stattfindenden Fest sind wir bei Govinda eingeladen. Die gesamte Familie mit Brüdern, Schwestern, Onkeln und Tanten trifft nach und nach ein. Karten- und Glückspiele vertreiben die Zeit bis alle versammelt sind. Hierbei verliere ich 150 Rupien. Gewinner ist einer der vielen Onkel. Nun beginnt die Prozedur der Tikar-Bemalung mittels einer Schablone, die eine ganze Weile in Anspruch nimmt. Als auch die Jüngsten ihr Tikar auf der Stirn haben, wird der nepalische Festschmaus serviert. Der weitere Tag wird mit Musik und Tanz gefeiert, bis sich bei Anbruch der Dunkelheit nach und nach die Gäste verabschieden. Für Dorlis und mich ist das Gästezimmer hergerichtet. So lassen wir den Abend mit einem gemütlichen Plausch im Familienkreis ausklingen. | ||||||
Bei Sonnenaufgang wird es im Hause lebendig. Govinda bereitet speziell für uns ein Frühstück zu. In Nepal ist dies eigentlich unbekannt. Man isst täglich nur 2 mal, gegen 11 Uhr und am Abend, meistens Dhaal Bhaat (Reis und Linsen) in verschiedenen Variationen.
Ein kurzer ansteigender Weg geht hinauf zum offenen Schrein der Mutter Kalis. Von hier oben genießen wir die Aussicht insbesondere hinüber zu im Geflecht von Gebetsfahnen liegenden Klosteranlagen. Bevor wir diesen Ort aufsuchen, beziehen wir erst einmal unser Quartier in einer hübschen und gepflegten Bungalow-Anlage.
In dem weitläufigen buddhistischen Meditations- und Lehrzentrum führen die Stufen unter unzähligen Gebetsfahnen steil hinauf zu den höher gelegenen Gompas. Unterwegs vervollständigen auch wir zu Ehren Buddhas dieses Fahnenmeer vor der Höhle, die mit Padmasambhava in Verbindung gebracht wird. Dieser soll den Buddhismus bis nach Tibet gebracht haben. Der anstrengende Aufstieg wird durch einen phantastischen Rundblick über die bereits in der Abendsonne liegende Landschaft belohnt. Zurück durch das Dorf erfahren wir, dass heute Abend ein newarischer Folkloreabend stattfindet. Vorsorglich mit Taschenlampe ausgerüstet machen wir uns ohne Damenbegleitung auf den Weg zum Marktplatz. Die Bühne liegt im hellen Scheinwerferlicht. Die Musikanten haben bereits ihre Plätze eingenommen, als wir plötzlich im Dunkeln stehen. Stromausfall und gleich beginnt das Improvisieren. Eine Petroleum Lampe muss her. Diese richtig in Betrieb zu nehmen dauert seine Zeit. Zwischendurch flackert die elektrische Beleuchtung für Sekundenbruchteile auf und als die Petroleumlampe voll funktionsfähig ist, ist auch die Elektrizität wieder da. Die Bühne erstrahlt im hellen Licht und die Show kann beginnen. Die erste Gruppe, eine Frau mit 4 Kindern beginnt mit langsamen, rhythmischem Fußtanz. Ein alter traditioneller Newartanz, der sich mit wechselndem Gesang zwischen den Tanzenden und den Musikanten fast eine halbe Stunde dahin zieht. Die Abende werden auch in Nepal recht frisch, so dass wir uns nach einiger Zeit in unser Quartier zurück ziehen. | ||||||
Entlang des Bagmati-Flusses verläuft der Ausflug in Etappen zurück nach Kathmandu. Unweit von Parping befindet sich der Sekh Narayan-Tempel. Hinter mehreren Wasserbecken gelegen wird der Haupttempel wird von einem überhängendem Felsen geschützt. Direkt daneben wurde, wie oft in Nepal, ein kleines buddhistisches Kloster errichtet. Wir erreichen den Taudada-See, Heimat der Schlangengötter, die nach dem Auslaufen des Kathmandutals, nachdem Bodhisattva die Chobar-Schlucht schlug, hierhin flüchteten. In dem flachen Wasser, des mehr als Teich zu bezeichnenden Sees spiegeln sich die umliegenden Häuser und die in der ferne liegenden Gipfel des Himalaya. Der nächste Halt ist die vorgenannte Chobar-Schlucht. Durch eine enge Felsenklamm rauscht das schäumende Wasser des Bagmati hindurch. Mechthild hat hier nun endlich die Möglichkeit, auf einer Hängbrücke zu stehen, die im Jahre 1903 in Aberdeen (Schottland) gefertigt wurde. Letztendlich steigen wir in dem kleinen Ort Chobar zum Lokeshwar-Tempel hinauf. Der Tempel ist mit unzähligen Töpfen, Pfannen und anderen Haushalsgegenständen bepflastert, die Jungvermählte hier spenden, um sich eine glückliche Ehe zu sichern. Auf dem weiteren Rückweg finden wir kein gemütliches Restaurant vor Kathmandu, um der weithin sichtbaren Smokglocke zu entgehen. So sitzen wir zur späteren Mittagszeit wieder direkt in Thamel. Mit Govinda und seiner Frau Radhika starten wir zum abschließenden Großeinkauf. Am Abend trifft Prasanta mit seiner jungen Frau ein, um uns die Videoaufnahmen Ihrer diesjährigen Hochzeit zu zeigen. Im Chaos der vielen Kassetten und nach einigen hin- und herspulen ist das richtige Band gefunden. Nun lassen wir uns in Wort und Bild ausführlich in die nepalischen Hochzeitsgebräuche und Zeriomonien einführen. Es wird fast Mitternacht bevor wir uns im Gästezimmer zur Ruhe begeben. | ||||||
Das Ende unserer diesjährigen Reise ist bedrohlich nahe. Govindas Kindern sagen wir bereits „Auf Wiedersehen“ bevor wir wieder ins Hotel zurück ziehen und von dort in die Innenstadt aufbrechen. Wie all die Jahre zuvor streifen wir kreuz und quer durch Straßen und Gassen, kaufen die noch fehlenden Mitbringsel ein und treffen erst am späten Nachmittag wieder im Hotel ein. Am Abend findet das gemeinsame Abschiedsessen mit unseren Gästen statt. | ||||||
Die Koffer sind bereits gepackt und bis zum Mittag nutzen wir die Zeit zu einen abschließenden Bummel durch Kathmandu, um das Vergessene, wie z.B. den Gingertee einzukaufen. Im Büro treffen wir noch einmal Govindas Frau und Schwiegermutter. Auf Wiedersehen, Namaste, alles Gute bis zum nächsten Mal und eine herzliche Umarmung. Dann ist es Zeit, schnellstens zum Hotel zurück zu kehren. Alsbald sitzen wir im Wartesaal des Flughafens und warten und warten. Bereits beim Einchecken wurde bekannt, dass unser Flug Verspätung hat. Müssen wir eventuell wieder in Abu Dhabi übernachten? Dies ist unsere größte Sorge. Endlich erscheint unser Flug schon einmal auf dem Bildschirm: Abflug 21:00 statt 18:30. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Abflug, umsteigen in Abu Dhabi und in Bahrain. Bei jedem Wechsel werden wir nach dem jeweiligen Sicherheitsscheck sofort zum nächsten Gangway weitergeleitet, um in die bereits wartende Maschine einzusteigen. Es bleibt kaum Zeit im Duty Free noch Zigaretten zu kaufen, geschweige denn eine zu rauchen. So wird die verlorene Zeit eingeholt und auf unserem Flug von Bahrain nach Frankfurt sind wir bereits wieder im Zeitplan. | ||||||
Die lange Nacht ist vorüber. Pünktlich schweben wir in Frankfurt ein. Sogar die Koffer sind eingetroffen. Um 10 Uhr sind wir bereits wieder zu Hause. Eine erlebnisreiche Reise ist zu Ende. Wir haben viel Neues entdeckt und erlebt, obwohl wir doch schon so oft in Nepal waren. Nepal, mit seinen Menschen und seiner Kultur sind uns wieder etwas näher gekommen. Ein guter Grund bald wieder dort hin zu reisen. |