Trans Himalaya 2

Tsetang - Lhasa - Namtso See
West-Tibet
Manasarova See - Mt. Kailash

  

Namtso Lake, Tibet Gebetsmühle im tibetischem Hochland
Manasarova See, Tibet Mt. Kailash mit Gebetsfahnen Kailash, heiliger Berg
Sanddünen im tibetischem Hochland Pekutso See, Tibet Lalung La - Frienship Hightway Lhasa-Kathmandu

 

Reisebericht 11.04. – 06.05.2006
 

© Klaus Töpfer

HIMATRTEK

Gelsenkirchen, Juni 2006

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Vorwort

 

Der erste Teil der Reise Trans Himalaya liegt nun fast 2 Jahre zurück. Im Mai 2004 führte uns der Weg vom Yunnan, dem „Land südlich der Wolken“ durch Ost-Tibet bis nach Lhasa und weiter nach Kathmandu. Nach ca. 12 Monaten Vorbereitung war die Planung für den 2. Teil der Reise durch West-Tibet mit dem heiligsten Berg, dem Mt. Kailash als Ziel, abgeschlossen.

 

 

1. Tag – 11.04.2006

 

Im A300 der QATAR Airlines, Reihe 38, auf meinem Wunschplatz in der Mitte zum Gang, habe ich es mir bequem gemacht. Neben mir sind sogar noch 2 Plätze frei und ich genieße die leichte Kost, Gemüselasagne. Auf den Fensterseiten zu meiner linken haben meine Mitreisenden Monika und Donat, zur rechten Gabi und Gabriela und dahinter Uschi und Peter ihre Plätze eingenommen. So düsen wir dem ersten Etappenziel Doha entgegen.

 

Bereits heute morgen um 9 Uhr hatte ich mit 25,5 kg Gepäck problemlos einchecken können. Eine halbe Stunde später trafen die 4 Urdörfer, Donat mit seinen 3 Begleiterinnen aus der Schweiz ein, kurz darauf auch Uschi und Peter. Zu all unserer Überraschung kam unser Pechvogel Doris, die sich vor 3 Wochen einen Muskelfaserriss zuzog, vorbei, um uns allen eine gute Reise zu wünschen. Hoffen wir nun, dass die ursprünglich nur bis zum Sonntag, den 09.04. geplanten Streiks und Demonstrationen in Nepal umgehend ein Ende finden, damit wir die Besichtigungen in Kathmandu, wie geplant durchführen können bevor wir am 15.04. nach Tibet aufbrechen werden.

 

Es ist bereits stockfinster, als wir auf den immer noch im Umbau befindlichen Flughafen in Doha landen. Zum Glück finden wir ein freie Ecke mit einigen Sesseln auf denen wir es uns leidlich bequem machen und den Weiterflug herbeisehnen. Es ist bereits 22 Uhr MEZ und die Müdigkeit macht sich bemerkbar. Die Zeiger der Uhr scheinen still zu stehen. Endlich, nach 3 Stunden Aufenthalt heben wir im kleinen, bis zum letzten Platz besetzten Airbus in Richtung Kathmandu ab.
 

2. Tag – 12.04.2006

 

Beim Anflug auf Kathmandu ist das Himalaya hinter dichten Wolken verborgen. Erwartet uns gar Regenwetter? Nein, es ist noch sehr, sehr früh. Eine halbe Stunde eher als geplant, betreten wir nepalischen Boden und die Sonne ist gerade aufgegangen. Es folgt die übliche Einreiseprozedur. Für 3 Tage in Kathmandu bis zu unserer Weiterreise nach Tibet  erhalten wir ein kostenloses Transitvisum. Da wir aber doch noch eine Einreisekarte zusätzlich zum Visaantrag ausfüllen müssen und Donat auch noch Passfotos machen muss, die er vergessen hat, erreichen wir als Letzte die Gepäckausgabe. Dafür ersparen wir uns hier die Wartezeit und marschieren gleich zügig in Richtung Ausgang. Ob wir wohl von meinen nepalischen Söhnen Govinda und Prasanta wegen der anhaltenden Streiks und den damit zeitweise vom König verhängten Ausgangssperren vom Flughafen abgeholt werden? Überall finden sich Hinweisschilder auf die eingesetzten Shuttlebusse, die Touristen kostenlos zu den Hotels in Kathmandu fahren. Als ich um die letzte Ecke zum Ausgang biege, erblicke ich bereits Govinda. Prasanta ist ebenfalls anwesend. Namaste, herzliche Begrüßung mit Blumengirlanden, das Gepäck ist schnell verladen und nach einer halbstündigen Fahrt sind wir im Hotel Vaishali. Kurz darauf lassen wir uns das 2. Frühstück schmecken.

 

Govinda informiert uns, dass wir bis 13 Uhr hier durch Thamel bummeln können. Dann ist bis ca. 17 Uhr eine Ausgangssperre angekündigt. Die Zeit bis zum Mittag nutzen wir, um unsere Gruppe in die Umgebung einzuführen. Kurz vor 13 Uhr sind wir im Hotel zurück, als auch mit einem Schlag alle Geschäfte schließen. Es ist nun die beste Zeit für ein Nickerchen, um den fehlenden Schlaf nachzuholen bzw. ein erfrischendes Bad zu nehmen. Es ist gegen 3 Uhr als ich aus den Träumen erwache. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, das Leben geht bereits wieder seinen normalen Gang. Nach nur 30 Minuten war die Ausgangssperre wieder aufgehoben worden.

 

Ich mache mich auf den Weg zu unserem Büro. Karma, der Meisterkoch unserer HIMATREK-Mannschaft, kommt  mir entgegen. Dort sind nur Govinda und Prasanta anwesend, da alle weiteren Teammitglieder derzeit mit Kunden „on tour“ sind. Ein kurze Anruf zu Hause und wir widmen uns dem Geschäftlichen sowie der Vorbereitung unserer Tibet-Tour. Der Abend klingt dann gemütlich mit unseren Gästen beim „Welcome Dinner“ im „City Heaven“ mit Daal Baat (Reis und Linsen) und weiteren kleineren Köstlichkeiten der nepalischen Küche aus.
 

3. Tag – 13.04.2006

Die Klimaanlage brummt. Um 7:15 Uhr zeigt das Thermometer im Aufzug bereits 25 °C an. So etwas nennt man Sommer. Vergessen ist schnell die daheim gelassene Kälte. Pünktlich um 9 Uhr starten wir zur gemeinsamen Sightseeingtour durch Kathmandu. Fam. Koller, gestern von der erlebnisreichen Tour durch Bhutan zurück gekehrt, hat sich uns angeschlossen. Nach Begrüßung durch Prasanta, die er bereits in sehr gutem Deutsch hält, begeben wir uns zur Stupa von Swyambunath. Der heutige Frühjahrs-Vollmondtag ist Grund für viele Buddhisten als auch Hindus hier im Bereich der Stupa und den angrenzenden Hindutempeln zu feiern. Als Training für das bevorstehende Trekking um den Kailash nehmen wir den Weg über die ständig steiler werdende Treppe hinauf auf den kleinen vor den Toren Kathmandus liegenden Hügel, auf welchen die Stupa mit ihrem golden glänzenden Dach thront. Die nächste Etappe führt uns zur Stupa von Bodnath, der größten und bedeutesten Stupa in Nepal. Immer noch erschallt aus allen Lautsprechern das bekannte Mantra „Om mani padme hum“, welches bis hoch hinauf zur Dachterrasse des Restaurants erklingt. Von hier oben bietet sich passend zur wohlverdienten Mittagpause mit frittierten Momos ein herrlicher Blick über die Stupa. Unsere Rundreise durch Kathmandu endet schließlich in Pashupatinath, dem bedeutesten hinduistischen Heiligtum mit dem Shiva-Tempel, zu dessen Füssen die Feuerbestattungen am heiligen Fluss Bagmati stattfinden. Nach knapp 9 Stunden endet die lehrreiche Tour, durch unseren im vergangenem Jahr ausgebildeten Kultur- und Wanderführer Prasanta.  Weitere Einzelheiten über die Sehenswürdigkeiten habe ich mir an dieser Stelle erspart, da diese ausführlicher in meinen früheren Reiseberichten (z.B. 2003 – Kulturerlebnis Nepal) beschrieben sind.

Eigentlich wäre dieser Tag beendet, doch zwischenzeitlich sind Hallbauers aus Tibet zurück gekehrt. Des weiteren gilt es die Neuankömmlinge, Familie Jung-Römer mit Söhnen und Familie Karl-Jung noch zu begrüßen.
 

4. Tag – 14.04.2006

 

Frohes Neues Jahr 2063. In Nepal beginnt das neue Jahr Mitte April mit Beginn des Monats Baisakh. Dies ist nun das dritte nepalische Neujahrfest nach Newar New Year im Herbst und Buddhist New Year im Frühjahr, welches ich hier vor Ort erlebe. Heute führt uns Prasanta nach Bhagtapur, der dritten Königstadt im Kathmandutal. Begleitet werden wir von Dahal, einem Reporter der Zeitung „Rising Nepal“, der mich bereits im Oktober vergangenen Jahres interviewte und nun einen neuen Artikel über Sightseeing schreiben möchte. Da sich Familie Jung-Römer wie geplant den Ausflug nach Bhagtapur anschließen, ist unsere Gruppe auf 12 Personen angewachsen, so dass Dahal als zusätzlicher Guide sehr hilfreich ist.

 

Immer habe ich angenommen, Bhagtapur nach den vielen Besuchen recht gut zu kennen. Gleich zu Beginn muss ich mich eines besseren belehren lassen, denn Prasanta führt uns durch einen mir unbekannten Zugang nach Bhagtapur hinein, dessen Eintritt mittlerweile 10 USD beträgt. Auch während unseres Rundganges finden sich noch einige mir unbekannte Winkel. Unterwegs begegnen wir fröhlichen Musikanten auf den Weg zum Neujahr-Tempelbesuch. Schließlich stehen wir vor  ungestümen, schwerfällig und recht wackelig aussehenden bunten Wagen, die anlässlich des gestrigen Wagenfestes (Bisket) zu Ehren von Bhairab, Betal und der Göttin Bhadrakali durch Bhagtapur gezogen wurden. Heute haben Kinder diese als Spielplatz unter dem 25 m hohen Lingam (Pfahl) in Beschlag genommen. Ausgelassen haben sich hier viele Bewohner versammelt. Von der brisanten politischen Situation ist hier momentan nichts zu spüren.

Gegen 16 Uhr endet das Programm. Bis Gabi und Bernd heute Abend mit 2-stündiger Verspätung aus Berlin eintreffen, nutze ich die Zeit, mein Gepäck für die morgige Abreise nach Tibet vorzubereiten. Gegen 19 Uhr treffen die Berliner ein. Nach kurzer Begrüßung eilt Govinda schnell nach Hause, da er auch noch seine Sachen für morgen packen und von der Familie verabschieden muss. Gabi, Bernd und ich begeben uns zum Begrüßungsessen, um bei dieser Gelegenheit auch deren Besichtigungsprogramm für die kommenden 3 Tage in Kathmandu zu erörtern. Beide werden erst am 18.04. in Lhasa zur Gruppe stoßen.
 

5. Tag – 15.04.2006

 

Pünktlich starten wir mit der B 757 der Air China nach Gonkar, dem internationalen Flughafen Tibets in Nähe der tibetischen Hauptstadt Lhasa. Es erwartet uns ein Höhensprung von 1.300 m auf 3.500 m. Bevor wir diesem ganz brutal bei Öffnung der Luken nach der Landung ausgesetzt werden, erwischen uns mit Überquerung des Himalaya-Hauptkamms mörderische Turbulenzen. Rüttel, schüttel, auf und nieder. Mächtige Winde der tibetischen Hochebene haben unser Flugzeug in den Griff genommen. So als ob sämtliche Götter und Dämonen uns zürnen würden.  An ein Ausfüllen der umfangreichen Einreisedokumente ist nicht mehr zu denken. Dieses erledigen wir, wieder festen Boden unter den Flüssen, in der langen Warteschlage. Nach automatischer Messung der Körpertemperatur (wohl noch ein Relikt aus der SARS-Zeit), Prüfung der Pässe und des Gruppenvisums, haben wir die erste Hürde genommen. Als wir alle unsere aufgegebenen Gepäckstücke eingesammelt haben, diese anschließend durchleuchtet und die Einfuhrerklärungen akzeptiert wurden, mussten alle Gepäckstücke noch mit den Gepäckscheinen abgeglichen werden. Dann dürfen wir endlich das Flughafengebäude verlassen. Hier empfängt uns Kelsang, unser tibetischer Guide, der uns in den kommenden Wochen betreuen wird. Nachdem wir am Bus noch ein paar lästige Gepäckträger abwimmeln müssen, beginnt die Fahrt nach Tsetang. Auf das angebotene Lunch verzichten wir, da drei unserer Mitreisenden an Magen-/Darmverstimmung leiden und so schnell wie möglich ins Hotel möchten. Für unterwegs beschaffen wir im nächsten Supermarkt noch ein paar Erfrischungsgetränke, wozu uns Kelsang 200 Yuan vorstreckt, da wir bislang keine Möglichkeit hatten, Euro in Yuan umzutauschen.

 

In Tsetang, einem neu aus dem Boden gestampften „Chinatown“, werden wir in einem sehr guten, aber typischen chinesischen Hotel, untergebracht. Angeblich ist dies das einzige im Ort. Leider ist hier  kein Geldwechsel möglich, da für Touristen ausschließlich die „Bank of China“ zuständig ist. Wir erfahren, dass die Bank in wenigen Minuten schließen wird. Govinda und ich rasen sofort los, um für uns alle noch ein paar Yuan zu besorgen. 5 Minuten zu spät stehen wir keuchend vor der geschlossenen Bank. Govindas Idee im Geschäft nebenan eine Sonnenbrille (er brauchte tatsächlich eine) zu kaufen und mit EUR zu bezahlen, ist Gold wert. Kurz darauf haben wir 300 EUR in Yuan getauscht und diese an alle Mitreisende als Startgeld für die ersten kleineren Einkäufe im schräg gegenüber gelegenen Supermarkt  verteilt.

 

Die meisten unserer Mitreisenden haben sich bereits auf ihre Zimmer zurück gezogen. Wir versuchen nun hier im Restaurant unseren Hunger zu stillen. Aber die Speisekarte ist wahrlich nur „chinesisch“ und Englisch versteht hier niemand. Das hatten wir doch schon mal? Govinda und ich versuchen es mit einen Besuch in der Küche, doch leider ohne den erwarteten Erfolg. Zum Glück taucht Kelsang auf und hilft uns, Reis und ein paar Beilagen auf den Teller zu bekommen. Hätte ich doch nur mein bewährtes Campingbesteck eingepackt. Hier wird nur die Kunst des Essens mit Stäbchen zelebriert. Govinda und ich ziehen uns am Abend in eine Ecke der Teestube zurück. Dort gelingt es uns tatsächlich, chinesischen grünen Tee zu bestellen. Während ich hier gerade diese Zeilen zu Papier bringe, erfolgt bereits der 5. Aufguss.
 

6. Tag – 16.04.2006

 

In 3.500 m Höhe habe ich im neuen, mir von den Kindern zum Geburtstag geschenkten Trainingsanzug, pudelwohl geschlafen. Nach einem nicht erwarteten riesigen kontinentalen Frühstück, welches für mindestens 2 Ausgehungerte gereicht hätte, starten wir zur Besichtigungstour, der Wiege der tibetischen Kultur. Hoch auf einem Bergkamm gelegen, erhebt sich wie eine Festung das wohl älteste Gebäude Tibets. Der Yumbulankhang, Wohnsitz des ersten Königs Tibets,  Nyatri Tsenpo, wurde bereits im 7. Jahrhundert erbaut und später durch Srogtsen Gampo zum Kloster umgebaut.  Wir bewältigen den ersten Aufstieg in luftige Höhe. Nach Besichtigung des 1982 wieder originalgetreu aufgebauten Gebäudes mit seinen ehrwürdigen Räumlichkeiten, u.a. den Schrein zu Ehren der alten Könige Tibets und den herrlichen Wandmalereiein im Obergeschoss, welche die tibetische Geschichte illustrieren, erklimmen wir noch die mit abertausenden Gebetsfahnen geschmückte Anhöhe, um dort  in einem Meer bunter Fähnchen zu versinken. Der Weg zurück nach Tsetang führt uns noch zu einen der ersten in Tibet gebauten Tempel, dem Trandruk Tempel. Auch dieser wurde, wie 11 weitere, durch König  Srogtsen Gampo erbaut, um den Drachen-Dämon, der über Tibet lag, für immer unschädlich zu machen.

 

Gegen Mittag beginnt die Fahrt auf neu asphaltierter Straße, zurück über Gonkar, nach Lhasa. Der gerade fertiggestellte Tunnel verkürzt die Strecke vom Flughafen Gonkar nach Lhasa auf nunmehr eine Stunde. Am Stadteingang begrüßt uns die Trasse der neuen Eisenbahnlinie, die im kommenden Herbst ihren Betrieb aufnehmen wird. China rüstet zum Massentourismus nach Lhasa. In der knapp 500.000 Einwohner zählenden Metropole (80 % sind zugewanderte Chinesen) sind der Potala-Palast und die Altstadt mit dem Jonkhang-Tempel zwischen modernen Shoppingmeilen, Hochhäusern, Hotel- und Bankenviertel herausgeputzte Museums-Inseln. Gleich neben dem Jonkhang befindet sich das kleine Hotel Mandala unseres tibetischen Partners David, wo wir in den kommenden Tagen untergebracht sind.
 

7. Tag – 17.04.2006

 

Dieser Tag steht jedem zur freien Verfügung. Die richtige Zeit, um sich zu regenerieren und zu akklimatisieren, denn einige unserer Mitreisenden laborieren noch am Magen-Darm-Problem, bzw. der Höhensprung ist körperlich noch nicht ganz überwunden. Wir lassen uns einfach durch Lhasa treiben. Zuerst die moderne Einkaufsmeile hinunter zum Potala Palast und schließlich zurück zum Barkhor, der renovierten Altstadt mit seinen unzähligen Basarständen rund um den Jonkhang Tempel. Obwohl ich nun schon zum 4. mal in Lhasa bin, gibt es wieder vieles Neue zu entdecken. So landen wir in einer lokalen, etwas abseits gelegenen typisch tibetischen Geschäftsstraße. Hier, ohne jegliche Basar- und Souvenirstände, werden alle Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs angeboten. Schauen und beobachten ist die Devise in dieser bunten, lebhaften Seitenstraße.
 
 
 

8. Tag – 18.04.2006

Unser tibetischer Guide Nimar hat heute die Leitung des Sightseeing übernommen. Als erstes steht die Besichtigung des Potala Palastes, die Sommerresidenz der Dalai Lamas, auf dem Programm. Govinda und ich gehen unsere eigenen Wege, da wir den Palast bereits ausgiebig kennen. Gemeinsam mit Tibetern und Pilgern umrunden wir den Potala. Dann erschrecken wir über die Insel mit chinesischem Tempel und Zickzack-Brücke, die gegenüber dem Potala gebaut wurde. Die Harmonie, wie in den berühmten Gärten in Soushou, wird man hier vergeblich suchen. Schließlich stranden wir in einem Shopping Center, in welchem wir uns mit all noch fehlenden bzw. sinnvollen Dingen von Nesscafé bis zur Thermoskanne für die morgen beginnende Fahrt zum Namtso See eindecken.

 

Am Nachmittag geht es auf Souvenirjagd. Wo liegt die Schmerzgrenze der Händler beim Handeln? Alle bieten ja immer die beste Qualität zum niedrigsten Preis. 50 % vom ersten Angebot herunter gehandelt ist immer noch zu viel bezahlt. Bei 1/3 des Ursprungpreises liegt man wohl einigermaßen richtig. So erstehe ich das eine und andere Mitbringsel, muss dabei aber wieder feststellen, dass das Angebot in Kathmandu gleich, teilweise sogar vielfältiger ist. Insbesondere dann, wenn man die Dinge in einem Laden in Kathmandu mit festen Preisen erwerben kann. Aber das Feilschen macht ja auch Spaß. Auf diese Art ersteht Govinda noch ein paar Gebetsfahnen zum Sonderpreis, die wir an einigen heiligen Plätzen während unserer weiteren Reise ebenfalls aufzuhängen gedenken, damit die aufgedruckten Mantras in unserem Sinne erhört werden.
 

 

Der Rundgang endet schließlich wieder in einem Internet-Cafe. Gestern hatte ich bereits versucht, Dorlis zu Hause anzurufen. Es kam aber keine Verbindung zustande, wahrscheinlich weil Ostermontag war, wie ich gerade feststelle. Heute steht die Verbindung nach Gelsenkirchen bereits beim ersten Versuch: „Frohe Ostern nachträglich und ich erfahre, das daheim auch alles in Ordnung ist. Mehr Sorgen bereitet uns momentan die aktuelle Lage in Nepal. Sind die Berliner bereits nach Lhasa unterwegs? Von Prasanta erfahren wir, dass auch in Kathmandu für Touristen noch alles ruhig verläuft. Bernd und Gabi sind pünktlich abgeflogen und müssten in Kürze in Lhasa eintreffen.
 

9. Tag – 19.04.2006

 

Bis auf Gabi, die noch 2 Tage das Bett in Lhasa hüten wird, sind alle an Bord der 4 Geländewagen (3 Toyota, 1 Nissan) mit denen wir uns auf die Strecke zum 4.700 m hoch gelegenem Namtso See, den zweitgrößten und in Tibet am höchsten gelegenen Salzwassersee, begeben. Begleitet werden wir wieder von Kelsang und unseren 4 tibetischen Fahrern, die die gut ausgestatteten Fahrzeuge perfekt beherrschen. Entlang der vor der Inbetriebnahme stehenden Eisenbahntrasse fahren wir auf der ebenso neu ausgebauten Straße nach Norden in die tibetische Hochebene hinein. Eine weite, einsame von Hügeln und teilweise weißen Gipfeln eingebettete Landschaft. Vereinzelt unterbrechen kleine tibetische Siedlungen, ein paar Bauern auf den Feldern oder eine Herde Yaks, die auf den kargen Hochebenen weiden das Landschaftsbild. Parallel dazu begleitet uns bis Damshung die Eisenbahnlinie, wie in einer Modelleisenbahnlandschaft: Trassen, Viadukte, Brücken und hin und wieder verschwindet die Strecke auch mal in Tunneln, bevor diese dann plötzlich die dunkelgraue Asphaltbahn überquert. Auf dieser kommen uns 2 tibetische Pilger entgegen, die den Weg vom Kailash nach Lhasa in Körperlänge messen, d.h. die Strecke in etwa einem Jahr durch Niederwerfungen zurücklegen werden. Wir erreichen den ersten Pass unserer Reise, den 4.600 m hoch gelegenen Gyama La, auf welchem wie üblich hunderte bunter Gebetsfahnen im Winde flattern. Als wir nach kurzer Rast weiter fahren, sind ein paar weitere Fahnen hinzu gekommen.

 

Gegen 15 Uhr erreichen wir Damshung, eine typische chinesische Provinzstadt mit gerade fertiggestellten Bahnhof. Ansonsten ein trostloser Fleck mit Militärkaserne und einen spartanisch ungemütlichen Speisesaal im besten Hotel des Ortes. Und es gibt wieder weder Gabel noch Löffel. Ich werde es wohl überleben, denn ich habe noch eine Notrationen im Gepäck, u.a. ein Stück Schinkenspeck, der heute dran glauben muss.

10. Tag – 20.04.2006

 

7 Uhr, herrlich ausgeschlafen, 8 Uhr Frühstück, oh Schreck! Nicht nur mir dreht es den leeren Magen um. Retter in der Not sind der selbst gebraute Nesscafé, bzw. der von den Schweizern mitgebrachte Capuccino, die Reste vom Schinken und ein hart gekochtes Ei vom Huhn. Auf keinen Fall aber das versalzene Gänseei, eine chinesische Spezialität auf die alle gerne verzichten.

 

In der Nacht haben sich die gestern aufgezogenen dunklen Wolken entleert. Wie dick mit Puderzucker bestreut glänzen die umliegenden Hügel in den ersten Strahlen der vom tiefblauen Firmament leuchtenden Sonne. Unsere Autokarawane zweigt nun auf eine verschneite und stellenweise vereiste Piste ab, auf der wir den 5.150 m hohen Lhachen La ansteuern. Ständig ansteigend fahren wir durch eine märchenhafte Winterlandschaft. Vorbei geht es an verschneiten Sommerweiden, auf den Yaks und Schafe mühsam unter der Schneedecke nach spärlichem Futter suchen. Auf der Passhöhe stellen unsere Fahrer vorsorglich die Autos im Windschatten ab. Sobald wir diesen verlassen erfasst uns ein orkanartiger eiskalter Wind, der in sekundenschnelle die ungeschützten Finger fast zum Erfrieren bringt. Diese benötigen wir jedoch, um den tief unter uns liegenden Namtso See im Bild festhalten zu können. Schnell noch ein paar weitere Schnappschüsse, die herrliche Aussicht auf den türkis leuchtenden See genießen und dann schnell wieder zurück ins Auto, um die eisigen, bald kribbelnden Finger, wieder zu beleben.

 

Wie auf einem ausgetrockneten Meeresboden führt die Straße, beidseitig gesäumt von Nomadenzelten und Viehherden vom Pass hinunter zum Ufer des Sees, der 4 mal größer als der Bodensee ist.  Auf einer Landzunge, geziert durch 2 Chörten, unzähligen Manisteinen und im Wind flatternden Gebetsfahnen ist das heutige Ziel erreicht. Goldenbraun erheben sich die Hügel auf diesem Küstenstreifen über den türkisblauen See, der stellenweise noch vereist ist. Am Horizont ragen die eisgepanzerten Gipfel der bis zu über 7.000 m hohen Nyenchen-Tanglha-Kette empor. Dieses Naturwunder nimmt uns gänzlich in seinen Bann gefangen, nachdem wir gemächlich auf einen naheliegenden Hügel hinaufsteigen, von dem die Gebetsfahnen uns zu rufen scheinen. Von hier oben eröffnet sich uns ein gewaltiger Rundblick. Nur ein typisches chinesisches Teehaus ist hier oben auf den höchsten Punkt gesetzt, völlig fehl am Platze!

 

Leider bleibt die Zeit nie stehen. Nach einem Lunch in einer romantischen Zelt-Lodge müssen wir zurück nach Damshung. In dieser Nacht dröhnt von irgendwo her Diskomusik. Es ist das erste mal auf dieser Reise, dass ich schlecht schlafe.

11. Tag – 21.04.2006

 

Heute verlassen wir die Zivilisation. An der Abzweigung in Richtung des 5.300 m hohen Shuka La gabeln wir Gabi, mit einem Minibus aus Lhasa kommend, auf. Unsere Reisegruppe ist wieder vollständig. Die gut asphaltierte Straße bleibt hinter uns zurück.  Auf der Schotterpiste, auf der wir allein unterwegs sind, wirbeln unsere Fahrzeuge gewaltige Staubfahnen auf. Es bewährt sich einen möglichst großen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einzuhalten, um möglichst vom durch alle Ritzen quellenden feinen Staub verschont zu bleiben. Durch felsige Schluchten geht es hinauf auf ein Hochplateau in  4.300 m Höhe. Es ist das typische Land der Nomaden mit seinen weiten Grasebenen und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Vor uns liegt der 5.259 m hohe Shogu La, den wir im dichten Schneetreiben überqueren. Ein weiterer Pass, der Dunggu La mit 4.860 m liegt noch vor uns, bevor es wieder hinunter in das Tal des Tsangpo und weiter nach Shigatse geht.

 

Zuvor kehren wir zu Mittag in einem kleinen Gasthaus ein. Die freundlichen und zuvorkommenden tibetischen Gastgeber bewirten uns sowohl mit frisch zubereitetem Buttertee (gewöhnungsbedürftig aber nahrhaft) und einer schmackhaften Nudelsuppe. Vom Fenster aus beobachten uns neugierige Augen, der hier noch gegenüber Fremden sehr scheuen Kinder. Gut gesättigt nehmen wir die Fahrt wieder auf, nachdem wir noch einen Blick in den nebenan befindlichen Krämerladen geworfen haben, der auf vielleicht 5 m2 alles bietet, was hier im Dorf benötigt wird.

 

Am späten Nachmittag erreichen wir Shigatse, die zweitgrößte Stadt Tibets und Sitz des Panchenlamas. Unser super modernes, gerade neu fertig gestelltes Hotel befindet sich direkt gegenüber der Klosterstadt Tashilumpo. Vor 2 Jahren war hier noch eine riesige Baustelle und im Vergleich zu meinem ersten Aufenthalt  im Jahre 2001, ist Shigatse nicht mehr wieder zu erkennen. Auf der an unserem Hotel beginnenden ebenfalls neu erbauten Geschäftsstraße finden Govinda und ich endlich einen Barbier,  so dass wir uns nach Lhasa nun zum zweiten Male die Bartstoppeln abrasieren lassen können.

12. Tag – 22.04.2006

 

Bis zum Mittag bleibt genügend Zeit zur Besichtigung von Tashilumpo, dem Kloster mit den meisten religiösen Aktivitäten in Tibet. Da ich die Anlage mit seinen Tempeln und Grabmalen der Panchenlama noch im Mai 2004 besichtigt hatte, begnügen Govinda und ich uns mit einem gemütlichen Rundgang durch die engen, verwinkelten Gassen auf der Suche nach alternativen Fotomotiven.

Da die direkte Strecke nach Shigatse durch das Tsangpo Tal  wegen Bauarbeiten gesperrt ist, sind wir gezwungen, einen weiten Umweg über Nebenstraßen zu nehmen. Wieder geht es hinein in die Wildnis, vorbei an einsamen Siedlungen, abseits gelegenen Klöstern und Viehherden.

Es dunkelt bereits,  als wir in den Hof des einzigen Gasthofes in Lhatse einbiegen. Hier ist schon  unser Küchen-LKW geparkt, der uns ab morgen mit 3 Köchen begleiten wird. Wir beziehen unsere einfachen Räume. Jedoch ist das Zimmer, welches ich mit Govinda teile, mit einem schmucken tibetischen Altar ausgestatten. Hier nutzen wir die letzte Möglichkeit,  die leeren Akkus für Fotoapparate und Filmkameras aufzulanden. Im kleinem Supermarkt nebenan versorgen wir uns anschließend noch mit persönlichen Getränken und Naschereien für die weitere Reise in den „wilden Westen“ Tibets.
 

13. Tag – 23.04.2006

 

290 km durch tibetische Einsamkeit stehen uns bis nach Saga, der nächsten Provinzstadt in 4.600 m Höhe bevor. Die holprige Schotterstraße windet sich durch enge Täler und führt hoch hinauf über insgesamt 6 Pässe und in weiteräumige Hochtäler. Vor uns fahrende und entgegenkommende Fahrzeuge sind schon aus der Ferne an einer langen hinter sich aufwirbelnden Staubfahne zu erkennen. Ständig wechselt das Landschaftsbild in allen nur erdenklichen Braun- und Gelbtönen. Diese Farbpalette wird gekrönt durch teilweise von Neuschnee weiß gesprenkelte Hügelketten, die in den tiefblauen Himmel hinein ragen und über denen weiße Wolken schweben.  Entlang des Weges weiden auf den kargen Ebenen Yaks, Schafe und Ziegen. Hin und wieder kreuzen Esel und Pferde unseren Weg. Vereinzelt liegen tibetische Gehöfte und kleine Siedlungen am Wegesrand, auf deren Hausdächern buddhistische Gebetsfahnen im ständigem Winde flattern. Es lohnt, immer wieder an malerischen Punkten anzuhalten, um die überwältigende Grenzenlosigkeit, Einsamkeit und Stille (ohne Fahrgeräusche und Motorenlärm) in sich aufzunehmen.

Unsere Fahrer beherrschen ihr Handwerk und haben die Fahrzeuge perfekt im Griff. Seit Shigatse bin ich mit Govinda zusammen, der sich hinter mir auf der Rückbank bequem gemacht hat, während ich den Beifahrerplatz eingenommen habe. Tenjing, unserm Fahrer, macht es immer wieder Freude beim Überholvorgang oder an unübersichtlichen Stellen, eines seiner unterschiedlichen Signalhörner zu aktivieren. Besonders bevorzugt er die amerikanische Polizeisirene. Heute morgen ist einer unser Köche, ebenfalls namens Kelsang, bei uns zugestiegen, der nunmehr ununterbrochen in tiefer Andacht verschiedene Mantras vor sich hin murmelt. Zur Mittagzeit erfreue ich ihn, indem ich ihm die Köpfhörer des MP3-Players aufsetze, aus denen das Mantra „Om mani padme hum“ ertönt.

 

Pässe und Visum werden am Checkpoint kurz vor Saga gewissenhaft kontrolliert. Wie alle größeren Orte entlang dieser Route sind diese deprimierend: Staub, Müll, Plastik, zerbrochene Bierflaschen usw.. Bereits hier am Ortseingang vermüllt die Landschaft nicht unter bunten Gebetsfahnen, sondern unter bunten Plastiktüten. Wir durchqueren Saga und nach einigen Minuten erreichen wir den ersten Campingplatz. Das Küchen- und das Gemeinschaftszelt sind bereits aufgebaut. Gemeinsam mit unseren Fahren üben wir uns nun erstmals im Aufbau unserer Zelte. Nachdem zuletzt auch unser rotes HIMATREK-Zelt steht, können wir im Gemeinschaftszeltes zum „Kaffe trinken“ übergehen. Nach dem ersten Abendessen im Zelt, unternehmen wir noch einen ausgiebigen Spaziergang. Mit  Verschwinden der Sonne hinter den Berggipfeln wird es sofort merklich kühler und windiger. Mit Einbruch der Dunkelheit verkriechen wir uns in die Schlafsäcke.
 

14. Tag – 24.04.2006

 

In der sternklaren Nacht und in einer Höhe von über 4.600 m ist die Temperatur gemäß Donats „schweizerischer“ Messung (Höhen- und Temperaturmessung sind in seinem multifunktionalem Taschenmesser integriert) auf  bis zu -10 °C gesunken. Jetzt am frühen Morgen sind es noch -4 °C. Die sehnsüchtig erwarteten wärmenden Sonnenstrahlen sind noch hinter der nahen Hügelkette verborgen. Trotz alle dem, raus aus dem gemütlichen Schlafsack und hinein in warmen Sachen zwängen. Dann hurtig hinüber zum Gemeinschaftszelt, wo zumindest schon mal ein heißer Tee wartet. Es folgt die übliche „Katzenwäsche“ vor dem reichhaltigen Frühstück. Endlich schaut auch die Sonne über die Hügel hinüber und sendet zaghaft die ersten wärmenden Strahlen auf uns hinunter.

 

Gemeinsam bauen wir mit unseren Fahren die teilweise noch vereisten Zelte ab. So ist es bereits 10 Uhr als wir schließlich den nächsten Pass ansteuern. Tenjing schaut unglücklich drein. Es gibt Probleme mit der Elektronik und all die Signaltöne seiner Hupe lassen sich nicht aktivieren. Statt dessen bleibt die Warnblickleute ununterbrochen in Betrieb. Irgendwie hat er dann diese Probleme behoben. Doch ein Pech kommt selten allein. Kurz darauf haben gleich 2 unserer Fahrzeuge einen Plattfuss. Im Reifenwechsel ist das Team, wie man sieht, geübt. Zudem stehen je Fahrzeug auch 2 Ersatzreifen zur Verfügung.

 

Gegen Mittag verlässt uns das recht gute Wetter. Dunkle Wolken schieben sich vor die Sonne. Die weite Landschaft wirkt nun farblos grau. Kurz darauf rieseln die ersten Graupel vom Himmel. Nach einer frisch zubereiteten tibetischen Nudelsuppe zum Lunch setzen wir frohen Mutes die Fahrt fort. Doch die Wetteraussichten bleiben weiterhin schlecht. Als wir den vorbereiteten Campingplatz kurz hinter Zhongba erreichen, ist noch ein scharfer, kalter Wind aufgekommen. So beschließen wir noch ca. 60 km weiter zu fahren, um im nächsten Ort in Payang (4.750 m) in einem Gasthof Unterkunft zu finden. Während dieser Fahrt vollzieht sich ein weiterer gewaltiger landschaftlicher Wandel. Nach überschreiten der nächsten Passhöhe, den Soge La zeigt sich die Sonne wieder gütig und es erwartet uns eine Wüstenlandschaft, die man hier nicht vermutet hätte. Gewaltige Sanddünen und tiefblaue Seen vor den in der Ferne aufragenden Bergen bestimmen das Landschaftsbild.

 

Am späten Nachmittag treffen wir in Payang ein und beziehen das recht einfache Quartier. Eine einsame Glühbirne erleuchtet das spartanisch eingerichtete Zimmer. Die „Open Air“-Toilette befindet sich schräg über den Hof, der auch als Reparaturplatz für LKWs dient. Na ja, Hauptsache ein Dach über dem Kopf und ein warmer Gastraum stehen zur Verfügung.
 

15. Tag – 25.04.2006

 

Wieder liegt eine sternenklare und somit frostige Nacht hinter uns, bevor uns die ersten Sonnenstrahlen aufwecken. Die Fahrt verläuft nun durch eine unendlich weit erscheinende Hochebene, die im Süden durch die Himalaya-Hauptkette, hinter der u.a. Annapurna, Dhaulagiri verborgen liegen, begrenzt wird. Nach der dritten Reifenpanne am Vormittag bricht nachmittags ein Bolzen der hinteren Federaufhängung unseres Toyotas. Tenjing versucht eine provisorische Reparatur mittels Draht, die jedoch nicht all zu lange hält. Erst mit einem passenden (?)  Ersatzteil aus den Beständen eines unserer weiteren Fahrzeuge, sind wir wieder fahrtüchtig. Über den  Mayum La und vorbei am 5.070 m hoch gelegenem Gunggyo-See geht es in rasanter Fahrt hinunter zum 4.558 m hoch gelegenem Manasarowa-See, dem in der Welt am höchsten gelegene Süßwassersee. Am Nachmittag ziehen unerwartet wieder dicke Wolken auf und vom See her weht eine recht frische Brise. Somit kehren wir wieder in einem Gasthof, in einem Dörfchen direkt unterhalb der Gompa Chiu, ein.

 

Während das Küchenteam das Abendessen zubereitet, machen Govinda und ich uns auf, um eine der naheliegenden Anhöhe zu besteigen. Die bedrohlichen Regenwolken haben sich aufgelöst  und in der Abendsonne erstrahlt die Spitze des Kailash, den heiligsten Berg aller Buddhisten und Hindus, den wir nun zum ersten Mal erblicken. Wir erreichen einen kleinen Chörten (Gebet-/Opferplatz) als wir plötzlich von einer Horde wild kläffender Dorfköter umringt sind. Ich empfehle Govinda, keine Angst zu zeigen und langsam weiter zu gehen. Hunde die bellen, beißen nicht, sagt ein mir bekanntes Sprichwort. Gesagt, getan, ich gehe langsam weiter. Die Hunde bleiben zurück, aber auch Govinda, der sich wohl nicht traut weiter zu gehen. Ich rufe ihm noch zu, mir doch langsam zu folgen und gönne mir einige Zeit für einen ausgiebigen Rundblick über den Manasarova See bis hinüber zu den schneeweißen Gipfeln, aus welchen der 7.728 m hohe  Gurla Mandata aufragt, ebenfalls ein heiliger Berg der Tibeter auf welchem die Göttin der Weisheit Sarasvati ihren Wohnsitz hat. Hier oben herrscht absolute Stille, nachdem das Hundegebell verstummt ist. Wo ist Govinda geblieben? So steige ich allein zum Gasthaus ab. Dort wird Govinda gerade von Peter verarztet. Einer der Hunde hat seine Wade gemocht und kräftig zugebissen. Die Wunde wird desinfiziert und ordentlich verbunden. Dann bittet der Koch zum Abendessen.

 

16. Tag – 26.04.2006

Der Morgen beschert uns ein Superwetter. Nach ausgiebigem Frühstück steigen wir zum Chiu Kloster auf, welches wie eine Festung in der felsigen Wand des Hügel zu kleben scheint. Hier endet üblicherweise die Umwanderung des Manasarova Sees durch die Pilger, die von hier aus ihren Weg nach Darchen zum Kailash fortsetzten. Im Untergeschoss des Klosters befindet sich der heiligste Raum, die kleine Höhle des Padmasambhava. Dieser soll hier mit seiner Gattin Yeshe Tsogyel meditiert und die letzten Tage seines Lebens verbracht haben. Vom Dach des Klosters haben wir eine wunderbare Aussicht über den gesamten See, der die Größe des Gardasee hat,  bis hin zu den vereisten Gipfeln des Himalaya und natürlich zum heiligsten all Berge, den 6.714 m hohen Kailash. Vorbei an Chörten und Manimauern wandern wir zum Seeufer hinunter. Umgeben von natürlicher Ruhe und Stille können wir zahlreiche Möwen und die äußerst scheuen Tibetenten beobachten, die sich wie die Gipfel des Gurla Himals auf der kristallklaren, türkisblauen Wasseroberfläche spiegeln. Es scheint verständlich, dass Hindus diesen See als Schöpfung ihres Gottes Brahma verehren.
 

 

Der Nachmittag gilt dem Besuch des Kloster Gösul, welches auf einer vom Seeufer steil aufragenden Felsbuckel steht. In einigen Serpentinen führt ein schmaler Pfad hinauf zum Eingang. Auch von hier ist die Aussicht unbeschreiblich, einfach wunderbar. Im Obergeschoss der Gompa beeindrucken uns prächtige bunte Reliefs buddhistischer Dämonen und Götter der ursprünglichen Bönreligion.
 

17. Tag – 27.04.2006

 

Wir nähern uns Darchen und somit der Achse des Universums, dem Kailash, der heiligste Berg aller Berge. Ob Hindu, Buddhisten, Jain oder Anhänger der alten Bön-Religion, für sie alle ist er das Pilgerziel ihrer Träume und beweist die Toleranz der asiatischen Religionen. Daran sollten sich Juden, Moslems und Christen orientieren.  Wieder stellt sich die Gretchenfrage: Wer begibt sich, wie geplant, mit auf die Umwanderung des Kailash, die Parikrama bzw. tibetisch Kora? Da aufgrund des zu dieser Jahreszeit unerwarteten Schlechtwettereinbruchs der 5.630 m hohe Droma Pass noch nicht wieder passierbar ist, sollte zumindest ein Teilstück bis zum Yak Horn auf 4.900 m Höhe angegangen werden. Das Ergebnis ist enttäuschend. Alle Teilnehmer dieser Reise ist es zu kalt (Was hat man eigentlich hier in Höhen um 5.000 m erwartet?) und verweigern hartnäckig jegliche weitere Übernachtung im Zelt. So reduziert sich die Kora auf eine 4-stündige Wanderung. Etwa nach einer Gehstunde von Darchen eröffnet sich der Blick auf den Kailash. Hier am ersten mit Manisteinen und Gebetfahnen geschmückten Niederwerfungspunkt, führt der Weg weiter nach Norden in ein sich weit öffnendes Tal, in dessen Mitte ein Durchgangs-Chörten steht, dessen Durchschreitung von allen Sünden reinigt. Stolz erhebt sich über uns der eisglänzende Dom des Kailash. Hier in Tapoche (4.750 m) findet einmal im Jahr zu Buddhas Geburt, Erleuchtung und Tod zum Vollmond im 4. tibetischen Monat ein großes Fest statt. Für uns heißt es aber, wieder zurück nach Darchen zu wandern.

 

 

Da nun 3 volle Tage anderweitig zur Verfügung stehen, entwickeln Kelsang, Govinda und ich ein alternatives Programm für die Rückreise, welches wir den Teilnehmern beim Abendessen unterbreiten und von diesen einstimmig angenommen wird.
 

18. Tag – 28.04.2006

 

Sonnenschein und 250 km „on the road“ bis wir wieder in Payang im bereits wohl bekanntem Gasthof Quartier beziehen. Einige Stimmen werden laut, dass man doch gerne etwas mehr laufen möchte.

 

19. Tag – 29.04.2006

 

Heute sind es nur 90 km „on the road“. Auf dieser kurzen Etappe nutze ich die Möglichkeit einmal in unserem Küchen-LKW mitzufahren. Der Vorteil: Man hat einen wesentlich besseren Ausblick. Der Nachteil: Rumpel, rumpel, ich werde während der Fahrt kräftig durchgerüttelt. An diesem Prachttag mit bestem Wetter, verbleibt genügend Zeit für Unterbrechungen. So erklimmen wir in der Wüste Tibets einige Sanddünen und fühlen uns teilweise wie Kinder im überdimensionalen Sandkasten. Nur Schüppchen und Eimer fehlen. Eine leere Getränkeflasche wird mit feinem Sand gefüllt und verschwindet in meinem Gepäck. Zur Mittagszeit erreichen wir Drongpa, eine kleine tibetische Siedlung, wo sich die Möglichkeit bietet, eine aus dem Jahre 998 rekonstruierte Gompa oberhalb des Dorfes zu besichtigen. Hier im Hotel Zhaxi, einem ebenfalls recht einfachen Gasthof, werden wir übernachten. Da der heutige Tag noch lang ist, bietet es sich an, einen Waschnachmittag einzulegen, d.h. nicht nur bereits etwas knapp gewordene Wäsche und Socken zu reinigen, sondern bei dieser Gelegenheit auch die verstaubten Haare zu waschen und die Bartstoppeln zu entfernen.

 

 

20. Tag – 30.04.2006

 

Alle Wege zurück nach Kathmandu und Lhasa führen über Saga. Da Camping verpönt ist, stranden wir inmitten der z.Z. wohl westlichsten Bastion Chinas, in der gegenwärtig der Fortschritt umgesetzt wird. China Post und Telecom sowie Versammlungshalle und -platz existieren bereits. Die Hauptgeschäftsstraße wird gerade fertiggestellt und teilweise bezogen. Dies alles bedeutet nun noch mehr Müll, Plastik und Dreck. Der Gasthof, namens Posthotel liegt versteckt auf einem Hinterhof und verdient bei weiten nicht diesen Namen. Hier können/dürfen unsere Köche die Küche aufbauen und es steht  eine kleine Bude als Aufenthalt- und Essenraum zur Verfügung, in welchen ein Teil der Hotelbelegschaft übernachten wird. Nachdem unsere Gäste untergebracht sind, flüchten Govinda und ich in das benachbarte Hotel. Auch Kelsang hat sich hier einquartiert. Obwohl die Qualität auch hier sehr zu wünschen übrig lässt, haben wir 2 frisch bezogene Betten und ein komplett eingerichtetes Bad, auch wenn warmes Wasser zum Duschen erst ab 21 Uhr bereit gestellt wird. Das ist doch Fortschritt, oder? In einem Geschäft schräg gegenüber kann ich sogar Dorlis anrufen, die sich riesig über eine Nachricht von mir freut, zumal auch unsere Tochter Tanja zugegen ist. Govinda nimmt mit Prasanta Kontakt auf. Alles ist soweit in Ordnung, nur das Wetter hat auch in Nepal verrückt gespielt: Die Strecke Zhangmu - Nyalam musste wegen zu viel Schnee gesperrt werden, so dass zwei Kunden eine Nacht im Grenzort Tatopani verbringen mussten. Des weiteren gab es Flugverspätungen und -absagen gab es auf der Strecke Lukla - Kathmandu. ... aber das Wichtigste: König Gyanendra ist zurück getreten. Die 7-Partei-Allianz hat begonnen die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Streiks, Ausgangssperren und Straßenblockaden sind beendet. Alles scheint sich nun zum Besseren zu entwickeln.
 

21. Tag – 01.05.2006

 

Entgegen der von allen Beteiligten vor ein paar Tagen akzeptierten Variante, die Strecke Saga - Nyalam in 3 gemütlichen Etappen mit mehr Zeit zum Relaxen und Spaziergang z.B. am Pekutso See durchzuführen, wird nun auch abgelehnt, da Kelsang Übernachtungen in Gasthäusern nicht 100 %ig garantieren kann. Statt dessen möchte man lieber noch heute bis Tingri durchfahren, um morgen, gutes Wetter vorausgesetzt, die Everest aus der Ferne bewundern zu können. Dies bedeutet noch einmal mindestens zusätzlich 150 km im Auto sitzen. Aber der Wunsch der Kunden sei Dir ein Befehl. Govinda und ich werden aber am Abstecher nach Tingri nicht teilnehmen und am Nachmittag dieses Tages mit unserem Fahrer direkt nach Nyalam fahren.

 

Das Küchenteam und deren Fahrer wird nun nicht mehr benötigt, so dass wir uns von diesen verabschieden. Die zum Glück bereits gestern gesammelten Trinkgelder  können wir somit überreichen. Drei machen sich mit dem Küchen-LKW auf den Heimweg, während Koch Tenpu bei uns zusteigt um in ein paar Tagen mit unserem Fahrer Tenjing die nächsten Kailash-Besucher in Zhangmu abzuholen.

 

Die Strecke von Saga bis zum China-Nepal Highway, auch Friendship Highway, verläuft durch eine sehr einsame, menschenleere und einzigartige Hochebene mit überwiegend wüstenähnlichen Charakter. Auf schier unendlichen jetzt noch braungelben Sommerweiden (erst zur Monsunzeit in den Monaten Juli und August wird die Landschaft sprießen und sich ins Grüne wandeln) grasen Yaks, Schafe und Ziegen. Gekrönt wird dieses Bild zunächst vom Drohlung See und schließlich vom Pekutso See in 4.330 m Höhe, auf dessen türkisfarbenen Wasseroberfläche sich die östlich  gelegenen Berge spiegeln. Gen Süden wird dieses Gemälde durch die glitzernden Eisriesen des Himalaya Hauptkamms abgeschlossen, aus dem sich Langtang (7.203 m) und Shisapangma (8.046 m) in den azurblauen Himmel hervorheben. Ein einsam gelegenes Gehöft mit Gasthaus lädt zur Mittagspause ein. Es folgen einige weitere Kilometer Schotterpiste, die nun durch ein ausgetrocknetes Flussbett verläuft. Im Sommer, zur Monsunzeit, ist diese Strecke meist nicht passierbar, da zu südlich am Hauptkamm gelegen und sich hier noch gewaltige Wassermassen ergießen.

 

 

Am späten Nachmittag erreichen wir den Highway. Unsere Gäste zweigen nach Tingri ab. Wir hingegen überqueren die beiden kurz hintereinander folgenden 5.000der Pässe Lalung- und Tong La und erreichen bei Anbruch der Dunkelheit Nyalam (3.750 m). Bereits am dem Tong La (5.153 m), von dem man bei guten Wetter noch eine phantastische Aussicht auf das Massiv des Shisapangma genießen kann, ziehen von Nepal her dunkelgraue Regenwolken auf. Ein orkanartiger Wind bläst uns hier oben um die Ohren und lässt die windbetriebenen Gebetmühlen rotieren. In Nyalam, bereits ein Dach über dem Kopf, entleeren sich die Wolken zunächst als Regen und später in dicken Schneeflocken.

 

22. Tag – 02.05.2006

 

Wir haben Glück, dass in der Woche vom 1. Mai in China eine Woche Urlaubszeit ist. So dröhnen durch die Ortschaft keine schweren LKWs von und nach Nepal. Nach einer ruhigen und langen Nacht, strahlt am Morgen wieder die Sonne vom Firmament. Wir schließen uns den von Tenjing und Tenpu geplanten Besuch der in der Nähe befindlichen Milarepas Höhle an. Milarepas, einer der berühmtesten Dichter Tibets hat im 11. Jahrhundert den Großteil seines Lebens als Einsiedler in dieser Höhle verbracht. Sonderbare Vertiefungen im Felsen vor der Höhle sollen von Milarepas Gesäß, Schenkeln und Füßen stammen. Erst im 17. Jahrhundert ließ der 5. Dalai Lama um die Höhle herum ein Kloster errichten, welches nach der Zerstörung während der Kulturrevolution durch Spenden aus Sera und Nepal wieder aufgebaut wurde.

 

Unterhalb des Klosters, im engem Tal liegenden Dorf, haben die Bewohner begonnen, die Felder zu bestellen. Es wird gepflügt, gepflanzt und gesät. Dies alles in Handarbeit, wobei prächtig geschmückte Yaks mit klobigem Pflug die Furchen auf den kleinen Äckern ziehen. Die Frauen übernehmen die Aussaat.  Wir können nur schauen und staunen, wie fleißig das ganze Dorf bei Werke ist.

 

 

Zufällig erblicken wir auf dem oberhalb der Äcker am Bergrand verlaufenden „Highway“ drei sehr bekannte Fahrzeuge. Es ist gerade Mittagzeit und schon zurück aus Tingri? Das ging aber sehr schnell. Erwartet hatten wir die Tingri-Besucher erst morgen. Nun, vor Überraschungen ist man nie sicher. So möchten dann alle auch noch morgen zurück nach Kathmandu und nicht wie geplant am 04.05.06. Govinda setzt alle Hebel in Bewegung, dass die Abholung durch Prasanta um einen Tag vorgezogen wird
 

23. Tag – 03.05.2006

 

Kurz nach 7 Uhr setzt sich unsere Autokarawane in Richtung Zhangmu in Bewegung. Auf engen, steilen Serpentinen geht es durch das immer schmaler werdende Tal um 1.000 m hinunter. Kurz vor Zhangmu türmen sich beidseitig der unbefestigten Straße noch meterhohe Schneemassen des zurückliegenden Unwetters auf. Zum Sonnenaufgang erreichen wir als erste den Grenzübergang, der in etwa 1 Stunde öffnen wird.  Die Grenzformalitäten ziehen sich in die Länge. Abschließend erfolgt noch ein Gesundheitscheck: Formular ausfüllen, am Besten immer „no“ ankreuzen. Dann hält mir ein Beamter eine Pistole vor den Kopf. Keine Angst, es wird nur die Körpertemperatur gemessen. Da war doch mal was mit SARS. Noch einmal geht es 8 km bis zur Freundschaftsbrücke, die Nepal mit Tibet verbindet, steil bergab.  Hier heißt es dann endgültig von unserem tibetischen Team Abschied zu nehmen.

 

Govinda hat ein paar nepalische Träger organisiert, die sich unseres Gepäcks annehmen. Nach überschreiten der Brücke über den Bhotekosi folgen die Einreiseformalitäten nach Nepal. Hier erwartet uns bereits Prasanta. Der Bus steht ein paar weitere Meter abwärts. Nicht vergessen, die Uhr zurückstellen. Hier in Nepal ist es noch 2 ¼ Stunden früher als in Tibet (Pekingzeit) aber die morgendliche Temperatur hat bereits die 30 °C-Marke erreicht. Bis nach Kathmandu sind noch gut 120 km zurück zu legen. Zu Mittag erreichen wir Dhulikhel, vergleichbar mit Nargakot, einem kleinen Ort am Rande des Kathmandutals gelegen. Ideal für einen morgendlichen Mountain-View bei Sonnenaufgang. Jetzt ist das Himalaya bereits hinter dichten Quellwolken verborgen, denn es ist bereits Mai und in gut 4 Wochen wird langsam die Monsunzeit einsetzen. Unsere Mitreisenden werden hier eine Nacht verbringen und von Prasanta betreut werden. Govinda und ich machen uns auf den weiteren Rückweg nach Kathmandu.

 

Allein nutze ich die Gelegenheit eines unserer Standard-Hotels, das Manang, unweit des Vaishali in Thamel zu testen. Obwohl nur mit **+ klassifiziert, bin ich äußert positiv überrascht. Wie sich später herausstellt hat man mich im besten Zimmer einquartiert, aber die anderen waren auch nicht schlechter. Am Abend tobt sich ein kräftiges Gewitter über Kathmandu aus. Übrigens, abgesehen von ein paar Kontrollposten auf dem Weg nach Kathmandu, ist hier von den Unruhen der letzten Tage nichts mehr zu sehen noch zu spüren. Das Leben hat sich normalisiert und die einhellige Meinung ist: Es kann jetzt nur noch besser werden.
 

24. Tag – 04.05.2006

 

Von Prasanta erfahren wir, dass unsere Kunden es vorziehen, noch einen weiteren Tag auf eigene Rechnung in Dhulikhel zu verbringen. Somit verbleibt genügend Zeit, um einige Besorgungen zu erledigen, ein Interview der Zeitung „Rising Nepal“ zu geben und schließlich auch Govindas Vater im Krankenhaus zu besuchen, dem Anfang der kommenden Woche eine Herzoperation bevorsteht, die er inzwischen gut überstanden hat. Schließlich nutze ich die sich bietende Chance, meinen Rückflug mit QATAR um 2 Tage vorzuverlegen. Mir persönlich ist es bereits zu heiß in Kathmandu.
 

25. Tag – 05.05.2006

 

Rudra, Prasantas Bruder, begleitet mich zum lokalen Friseur. Zum Abschluss der Reise gönne ich mir Rasur, Haarstyling und Kopf/Nacken-Massage. Nach einer Stunde fühle ich mich wie neu geboren. Nach Erledigung der noch offenen geschäftlichen Dinge begeben wir uns zu Govindas Familie. Dort warten bereits Govindas Frau Radhika, die Kinder und Großmutter auf mich. In und um das Haus ist alles unverändert, wie noch im Oktober vergangenen Jahres. Nur eine Musikanlage bereichert nun das Wohnzimmer, mit dem richtigen Sound zum nächsten Festival, zu welchem alle auch Dorlis wieder erwarten.
 

26. Tag – 06.05.2006

 

Heute gibt es noch einen Grund zu feiern. Früh morgens fahren wir mit dem lokalen Bus nach Bodnath zum 25-jährigem Jubiläum der Privatschule von Govindas Kindern. Diese freuen sich natürlich, dass ihr deutscher „Großvater“ zugegen ist. Der Beginn der Veranstaltung verzögert sich, auf nepalische Art um gut eine Stunde auf 8:30 Uhr. Nach der offiziellen Eröffnungsansprache und den ersten Musikstücken, von den Schülern dargeboten, verdrücken wir uns. Auf dem Rückweg muss Govinda noch ein Hochzeitsgeschenk kaufen, um es gleich am heutigem Hochzeitstag eines Freundes zu überreichen. Zwischenzeitlich sitze ich nun hier allein in Thamel über der Bäckerei, gönne mir ein gut belegtes Sandwich mit einem Pott Kaffee zum überfälligem Frühstück, bevor ich mich auf den Weg zum Büro begebe.

 

Zu Mittag trifft Radhika mit Sohnemann ein, der zur Feier des Tages seine Schalke-Kappe trägt, um sich von mir zu verabschieden. Vor der Abfahrt zum Flughafen, versuche ich Dorlis daheim noch anzurufen, doch sie ist nicht anwesend. So bestelle ich halt das 2. Frühstück für Sonntag morgen über den Anrufbeantworter.
 

Inzwischen habe ich schon wieder neue Pläne geschmiedet. Liebe Familie und Freunde in Nepal: Es wird nicht lange dauern bis ich wieder bei Euch in meiner zweiten Heimat sein werde.